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Interview mit Ludwig Sebus

Geboren September 1925

Ludwig Sebus erhielt für seine künstlerische, karnevalistische Lebensleistung viele Auszeichnungen und Ehrungen, so zum Beispiel:

1962 Ehrensenator der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.
1968 Goldene Ostermann Medaille
1995 Goldener Römer – Römer Garde Köln-Weiden e.V.
1996 Ritter der Freude – Neue Pulheimer KG
2000 Ehrensenator der KG Klüttefunke Erfstadt-Liblar e.V.
2005 Ehrenmitglied u. Träger des Ehrenrings der Muuzemändelcher 1949 e.V.
2006 Grielächer des Jahres 2006, KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.
2007 Rheinlandtaler, Landschaftsverband Rheinland
2008 Lehrer Welsch Preis, Verein Deutsche Sprache e.V.

Ludwig Sebus, Sie blicken auf über 50 Jahre Bühnenerfahrung zurück und sind damit ein Routinier, auch wenn Sie heute nur noch selten auftreten. Doch Ihr allererster Auftritt, wann war der und welche Erinnerung haben Sie daran?

Heute trete ich im Karneval tatsächlich nur noch auf, wenn Nostalgie gefragt ist. Mein erster Auftritt aber, der fand am 11.11.1953 bei den Roten Funken im Sartory statt.

1950 kam ich aus russischer Gefangenschaft zurück nach Köln. Dort erlebte ich die 1900-Jahr-Feier mit, habe den Altermarktspielkreis gesehen und mich ihm angeschlossen. Der wurde extra für die Feierlichkeiten ins Leben gerufen. Das Spiel fand, wie der Name schon sagt, auf dem Alter Markt statt und hatte rund 1000 Mitwirkende.

Ich war hauptsächlich im Bereich der gesanglichen Darstellungen gefragt und schrieb hier auch meine ersten kölschen Lieder für den Spielkreis. Robert Schumann, mein Freund, war gleichzeitig Mitglied und Literat geworden bei den Roten Funken. Er animierte mich dazu auch außerhalb des Spielkreises für den Karneval Lieder zu schreiben und aufzutreten.

So wurden es dann inzwischen über 250 Lieder, die ich komponiert, getextet und gesungen habe. Das war die Dreieinigkeit eines kölschen Krätzchen-Sängers im Karneval wie bei Willy Ostermann, Karl Berbuer, Jupp Schmitz, Jupp Schlösser und eben auch bei mir. Mein erster Titel hieß übrigens „Hück trööte mer de ganze Naach“.

Was war Ihre erste Gage?

15,-- DM. Nach der Währungsreform war man allmählich davon abgegangen in Naturalien zu zahlen. Die gab es aber manchmal noch als Zugabe dazu. Allerdings war es in ländlichen Gegenden noch länger üblich als in Köln in Naturalien zu bezahlen.

Waren Sie danach mit einem Schlag als Top-Akteur im Karneval bekannt oder wie entwickelte sich alles?

Ähnlich wie bei meinen Kollegen, bspw. bei Hans Hachenberg, habe ich mich drei Jahre lang beim literarischen Komitee des Festkomitees Kölner Karneval bewerben müssen. Erst danach wurde man für die nächste Session als einer der besten zugelassen. Wenn man im Jahr davor einen Erfolg hatte, war man allerdings quasi schon so etwas wie qualifiziert. Die Programmgestalter der Karnevalsvereine warteten immer diesen Termin ab, der in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr lag.

Meinen Durchbruch hatte ich in der Session 1954/1955 mit dem Lied „Jede Stein in Kölle eß e Stöck vun deer“. Zu dem Zeitpunkt war Köln noch im Aufbau. Zum einen festigte sich die Stadt selbst noch bezüglich ihrer Kultur und ihrer Geschichte. Zum anderen legten die Kölner vielfach Hand an, um ihre Stadt wieder aufzubauen. Da paßte der Titel sehr gut zu, man konnte ihn stark nachempfinden. Außerdem hob er sich von allen anderen Karnevalstiteln ab.

Mit diesem Titel kam ich auch zur Proklamation, die live im Fernsehen übertragen wurde. Bemerkenswert ist, daß in dieser Sitzung zwei Nummern hinter mir die Mainzer Hofsänger ihren ersten Fernsehauftritt hatten. In diesen Jahren war der Hörfunk noch sehr stark vertreten. Da waren teilweise bis zu 18 Millionen Zuhörer an den Lautsprechern dabei.

Gibt es auch einen Auftritt an den Sie nicht so gerne zurückdenken? Wo und wann war das?

Das war ein Auftritt, bei dem ich nach Karl Berbuer auf die Bühne mußte. Es handelte sich um eine Neujahrssitzung in den 60iger Jahren im Sartory. Da waren Leute im Publikum, die gekauft worden waren, um Karl Berbuer zu ärgern. Sie stammten aus einer Gruppierung, die ihm nicht gut gesonnen war. „Herr Chauffeur wat e Malheur“ hieß sein damaliger Titel, der etwas schwach war. Karl Berbuer wurde ausgepfiffen. Danach mußte ich auftreten, das war nicht wirklich einfach, aber es ging gut.

Später traf ich Karl Berbuer im Gürzenich wieder. Er hatte dort sein Programm etwas umgestellt, ging auf die Bühne und wurde groß gefeiert. Ich fragte ihn, woher er die Nerven hätte, jetzt hier so aufzutreten. Karl Berbuer sagte, daß ich mir merken solle, daß jede Niederlage auch die Kraft gibt wieder aufzustehen.

Was war der vielleicht außergewöhnlichste Auftritt Ihrer Laufbahn?

Für jeden, der in der Musikszene zu Hause ist, ist die Osterman-Medaille die größte Auszeichnung. Die habe ich 1968 erhalten und war damit einer der ersten und jüngsten Träger, sogar noch vor Karl Berbuer, Jupp Schmitz und Jupp Schlösser.

Dazu hatte ich 1974 mit den Roten Funken einen Auftritt bei der Steuben-Parade in New York. Eigens für die Teilnehmer der Parade wurde eine eineinhalbstündige Sendung angesetzt, bei der ich 20 Minuten lang meine eigenen und Ostermann-Lieder sang.

Wie war das Verhältnis zu Ihren Kollegen, damals und heute?

Karl Berbuer war ein väterlicher Freund für mich, zu ihm hatte ich die stärksten freundschaftlichen Kontakte. Zu allen anderen Kollegen hatte ich immer ein sehr kollegiales Verhältnis. Mit den Bläck Fööss, den Höhnern, Brings bin ich befreundet, zu King Size Dick und Marie-Luise Nikuta unterhalte ich sehr gute Kontakte.

Sie waren der erste Kölner Karnevalist mit einem eigenen Fanclub. Existiert der heute noch? Welche Aktivitäten sind angesagt?

Mein Fanclub wurde 1977 im Kölner (Ehrenfelder) Kolpinghaus gegründet. Nach einem Auftritt kamen Mitglieder eines Kegelclubs auf die Bühne und fragten, ob ich damit einverstanden wäre. Ich hatte keine Bedenken.

Zu meiner großen Freude erklärten sich die Mitglieder bereit mich bei meinem sozialen Engagement zu unterstützen. Dazu gehören in erster Linie Veranstaltungen im Senioren- und Behindertenwohnheim in Köln-Mülheim. Dafür backen wir Kuchen (letztens noch erst 62!), bringen Getränke mit, servieren und machen ein kostenloses Programm. Das schließt ein Frühlingsfest, eine Adventsfeier mit ein oder auch eine Karnevalssitzung.
In bezug auf Benefizveranstaltungen bin ich, obwohl ich mich größtenteils von der Bühne zurückgezogen habe, noch stark gefragt, bspw. beim zehnjährigen Bestehen des Caritas-Seniorenheims St. Maternus in Rodenkirchen.

Nicht nur das, in Erftstadt gibt es auch ein Ludwig Sebus Museum. Wie kam es dazu? Wer hat es eröffnet? Wer leitet es? Was gibt es da zu bewundern?

Von der KG Klüttefunke Erftstadt-Liblar e.V. bin ich ausgezeichnet worden. In diesem Zusammenhang kamen die Mitglieder auf die Idee Gegenstände aus meiner Karriere in einem eigenen Museum aufzubewahren. Es geht darum diese, auch für die Nachwelt, zu erhalten. Das Museum befindet sich in Erftstadt-Liblar und ist nach Vereinbarung geöffnet.

Und zum Schluß: Eigentlich sind Sie vor einigen Jahren zurückgetreten. Doch was und wer holt Sie auch heute noch auf die Bühne? Wo können Sie nicht widerstehen aufzutreten?

Spontan sage ich immer dann zu, wenn ich merke, daß mir Herzlichkeit entgegengebracht wird. Die möchte ich dann erwidern. Wenn ich merke, daß ich jemandem eine richtige Freunde machen kann. „Wer glücklich sein will, muß andere glücklich machen“, das ist mein Lebensmotto.

Ludwig Sebus, besten Dank für dieses Interview.

erscheint im Sessionsheft der Session 2009 der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.




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