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Interview mit Hans Süper

Geboren März 1936

Ehrungen u.a.:

1982 Ehrensenator der K.G. Kölsche Grielächer vun 1927 e. V.
2001 Goldener Römer der RömerGarde Köln-Weiden e.V. für das Süper-Duett (Hans Süper/Werner Keppel)
2001 Goldene Mütze der Karnevalsgesellschaft Alt-Köllen vun 1883 e.V.
2001 Ehrensenator der KG Klüttefunke Erftstadt-Liblar e.V.
2004 Willy-Ostermann-Medaille der Willi-Ostermann-Gesellschaft Köln e.V., gegr. 1967
2006 „Goldener Schusterjunge“ der Kölner K.G. Fidele Zunftbrüder von 1919 e.V.

Schon mit Anfang 60 feierten Sie vor einigen Jahren Ihr 50jähriges Bühnenjubiläum. Wenn Sie Revue passieren lassen, wann und wo fand Ihr wirklich allererster Auftritt statt?

Der erste Auftritt, den ich hatte, als Junge, das war 1950 oder 1951, zusammen mit meinem Bruder Charly im Fahrradclub in Köln-Mülheim. Damals waren wir die „2 Schnüürreme“ und hatten die gleiche Art wie später das „Colonia Duett“. Wir haben Witze erzählt, gesungen und getanzt.

Damals wurden Sitzungen in Wirtschaften veranstaltet. Das war eine Zeit, da taten sich drei Mann zusammen und hielten eine Veranstaltung ab. Wir sind aber auch im Ernst-Moritz-Arndt-Haus oder im so genannten Ersatz-Gürzenich, dem Williams-Bau auf der Aachener Straße aufgetreten.

Lagen solche Auftritte schon damals im Blut als Sohn eines der „Vier Botze“?


Mein Vater war Hans Süper, „d’r Stump“ und spielte Geige bei den „Vier Botze“, mein Großvater war Kapellmeister, doch meine Kinder, die machen keine Musik. Von daher weiß ich nicht, ob das unbedingt in der Familie liegt.

Ich kann mich aber erinnern, daß wir Weihnachten bei uns zu Hause auf dem Hof gespielt haben. Mein Vater spielte die Geige, mein Bruder Paul, genannt „Charly“, das Akkordeon und ich selbst auf der Mandoline. Meine Mutter hat zugehört und war für das leibliche Wohl zuständig.

Wußten Sie zu diesem Zeitpunkt schon, daß dies Ihr Leben werden würde oder hatten Sie da noch eine andere Vision von Ihrer Zukunft? Vor allem konnten Sie von den Einnahmen leben oder wie haben Sie zu diesem Zeitpunkt Ihren Lebensunterhalt bestritten?

Schon sehr früh bin ich mit meinem Bruder in Sport- und Radclubs, in der Kneipe „Zehnpfennig“, der alten Halle in Kalk oder der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz aufgetreten, genau so wie in Solingen. Doch damals hatte ich noch einen Hauptberuf. Ich habe als Bote gearbeitet, als Platzanweiser, habe Busse gefahren und war später im Außendienst beim E-Werk tätig.

Bei meinen Auftritten traf ich immer wieder auf Hans Zimmermann, der zu diesem Zeitpunkt mit seiner Schwester Gretchen als Geschwister Zimmermann unterwegs war, sie im Abendkleid und er mit Gitarre.

Dann hat mich Hans Zimmermann eines Tages angerufen und wir haben uns zusammengetan. Anfangs hatte auch Hans noch einen Hauptberuf, doch die Auftritte wurden mehr und mehr. Hans ging irgendwann in Rente und ich habe meinen Beruf aufgegeben, um hauptberuflich aufzutreten.

Damals war der Karneval noch ein anderer. Die Leute waren lustiger, nicht so verwöhnt wie heute. Für die Gage von heute muß man schon weitaus mehr bringen. Heute ist Karneval ein Geschäft.

Haben Sie eine Ahnung wie viele Vorstellungen Sie im Laufe der Jahre, egal ob alleine, mit dem „Colonia Duett“ oder nachher mit dem „Süper Duett“ gegeben haben?

Das sind viele, sehr viele. Wir gaben pro Jahr zwischen 250 und 300 Vorstellungen. Nicht nur im Karneval, sondern auch bei Schützenvereinen und auf Hochzeiten waren wir aktiv.

Gibt es einen Auftritt, an den Sie sich heute noch besonders gerne erinnern?

Früher war in den Sartory-Sälen ein ganz tolles Publikum, auch im Maritim war das immer sehr schön. Aber ich kann mich erinnern, daß wir einmal zu einer Sitzung in der „Börse“ zu spät kamen, was sehr, sehr selten vorkam. Da kamen uns die Leute schon mit Mänteln entgegen und waren auf dem Weg in die Pause. Da haben wir sie mitsamt ihren Mänteln mit in den Saal zurückgenommen und alle eine dreiviertel Stunde oder Stunde unterhalten, das war super.

Oder einmal war der Verkehr in Köln so stark, daß mich die Polizei zum Gürzenich zu meinem Auftritt begleiten mußte.

In einem Artikel las ich im Zusammenhang mit einem Ständchen, das Sie spontan auf einer Geburtstagsfeier gegeben haben, daß es Sie glücklich macht, wenn Sie mit Ihrem Können einer anderen Person Freude machen. Was verstehen Sie darunter?

Mein Publikum war immer das größte für mich. Auch wenn man was geleistet hat, sollte man nie vergessen, wo man herkommt. Mit den Füßen auf dem Boden bleiben, sich selbst nicht so wichtig nehmen!

Was hat Sie letztendlich bewogen im Jahre 2001 (letzter Auftritt des Süper-Duetts im Rahmen einer Gala fürs Fernsehen am 24.01.02) endgültig zurückzutreten?

2001 habe ich mit 65 Jahren aufgehört. Das hatte mit meinem Alter zu tun. Man muß wissen, wann man aufhören muß. Man muß Qualität bringen und die Ansprüche werden immer höher.

Meine Rente reicht und mein Luxus ist, daß ich jetzt unabhängig und frei bin, hinreisen kann, wo ich will. Über Weihnachten fliegen meine Frau und ich jetzt nach Gran Canaria. Manchmal fahren wir auch mit dem Auto nach Luxemburg. Das macht uns zufrieden.

Was sind Ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft?

Ein ruhiges Leben und so lange wie möglich gesund bleiben. Ich wünsche mir mit 100 vor dem Kölner Dom zu stehen, raufzuschauen, umzufallen und tot zu sein.

Besten Dank für dieses Interview!

erschienen im Sessionsheft der Session 2007 der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.



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