Ludwig Sebus

Interview mit Ludwig Sebus

Geboren September 1925

Ludwig Sebus erhielt für seine künstlerische, karnevalistische Lebensleistung viele Auszeichnungen und Ehrungen, so zum Beispiel:

1962 Ehrensenator der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.
1968 Goldene Ostermann Medaille
1995 Goldener Römer – Römer Garde Köln-Weiden e.V.
1996 Ritter der Freude – Neue Pulheimer KG
2000 Ehrensenator der KG Klüttefunke Erfstadt-Liblar e.V.
2005 Ehrenmitglied u. Träger des Ehrenrings der Muuzemändelcher 1949 e.V.
2006 Grielächer des Jahres 2006, KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.
2007 Rheinlandtaler, Landschaftsverband Rheinland
2008 Lehrer Welsch Preis, Verein Deutsche Sprache e.V.

Ludwig Sebus, Sie blicken auf über 50 Jahre Bühnenerfahrung zurück und sind damit ein Routinier, auch wenn Sie heute nur noch selten auftreten. Doch Ihr allererster Auftritt, wann war der und welche Erinnerung haben Sie daran?

Heute trete ich im Karneval tatsächlich nur noch auf, wenn Nostalgie gefragt ist. Mein erster Auftritt aber, der fand am 11.11.1953 bei den Roten Funken im Sartory statt.

1950 kam ich aus russischer Gefangenschaft zurück nach Köln. Dort erlebte ich die 1900-Jahr-Feier mit, habe den Altermarktspielkreis gesehen und mich ihm angeschlossen. Der wurde extra für die Feierlichkeiten ins Leben gerufen. Das Spiel fand, wie der Name schon sagt, auf dem Alter Markt statt und hatte rund 1000 Mitwirkende.

Ich war hauptsächlich im Bereich der gesanglichen Darstellungen gefragt und schrieb hier auch meine ersten kölschen Lieder für den Spielkreis. Robert Schumann, mein Freund, war gleichzeitig Mitglied und Literat geworden bei den Roten Funken. Er animierte mich dazu auch außerhalb des Spielkreises für den Karneval Lieder zu schreiben und aufzutreten.

So wurden es dann inzwischen über 250 Lieder, die ich komponiert, getextet und gesungen habe. Das war die Dreieinigkeit eines kölschen Krätzchen-Sängers im Karneval wie bei Willy Ostermann, Karl Berbuer, Jupp Schmitz, Jupp Schlösser und eben auch bei mir. Mein erster Titel hieß übrigens „Hück trööte mer de ganze Naach“.

Was war Ihre erste Gage?

15,– DM. Nach der Währungsreform war man allmählich davon abgegangen in Naturalien zu zahlen. Die gab es aber manchmal noch als Zugabe dazu. Allerdings war es in ländlichen Gegenden noch länger üblich als in Köln in Naturalien zu bezahlen.

Waren Sie danach mit einem Schlag als Top-Akteur im Karneval bekannt oder wie entwickelte sich alles?

Ähnlich wie bei meinen Kollegen, bspw. bei Hans Hachenberg, habe ich mich drei Jahre lang beim literarischen Komitee des Festkomitees Kölner Karneval bewerben müssen. Erst danach wurde man für die nächste Session als einer der besten zugelassen. Wenn man im Jahr davor einen Erfolg hatte, war man allerdings quasi schon so etwas wie qualifiziert. Die Programmgestalter der Karnevalsvereine warteten immer diesen Termin ab, der in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr lag.

Meinen Durchbruch hatte ich in der Session 1954/1955 mit dem Lied „Jede Stein in Kölle eß e Stöck vun deer“. Zu dem Zeitpunkt war Köln noch im Aufbau. Zum einen festigte sich die Stadt selbst noch bezüglich ihrer Kultur und ihrer Geschichte. Zum anderen legten die Kölner vielfach Hand an, um ihre Stadt wieder aufzubauen. Da paßte der Titel sehr gut zu, man konnte ihn stark nachempfinden. Außerdem hob er sich von allen anderen Karnevalstiteln ab.

Mit diesem Titel kam ich auch zur Proklamation, die live im Fernsehen übertragen wurde. Bemerkenswert ist, daß in dieser Sitzung zwei Nummern hinter mir die Mainzer Hofsänger ihren ersten Fernsehauftritt hatten. In diesen Jahren war der Hörfunk noch sehr stark vertreten. Da waren teilweise bis zu 18 Millionen Zuhörer an den Lautsprechern dabei.

Gibt es auch einen Auftritt an den Sie nicht so gerne zurückdenken? Wo und wann war das?

Das war ein Auftritt, bei dem ich nach Karl Berbuer auf die Bühne mußte. Es handelte sich um eine Neujahrssitzung in den 60iger Jahren im Sartory. Da waren Leute im Publikum, die gekauft worden waren, um Karl Berbuer zu ärgern. Sie stammten aus einer Gruppierung, die ihm nicht gut gesonnen war. „Herr Chauffeur wat e Malheur“ hieß sein damaliger Titel, der etwas schwach war. Karl Berbuer wurde ausgepfiffen. Danach mußte ich auftreten, das war nicht wirklich einfach, aber es ging gut.

Später traf ich Karl Berbuer im Gürzenich wieder. Er hatte dort sein Programm etwas umgestellt, ging auf die Bühne und wurde groß gefeiert. Ich fragte ihn, woher er die Nerven hätte, jetzt hier so aufzutreten. Karl Berbuer sagte, daß ich mir merken solle, daß jede Niederlage auch die Kraft gibt wieder aufzustehen.

Was war der vielleicht außergewöhnlichste Auftritt Ihrer Laufbahn?

Für jeden, der in der Musikszene zu Hause ist, ist die Osterman-Medaille die größte Auszeichnung. Die habe ich 1968 erhalten und war damit einer der ersten und jüngsten Träger, sogar noch vor Karl Berbuer, Jupp Schmitz und Jupp Schlösser.

Dazu hatte ich 1974 mit den Roten Funken einen Auftritt bei der Steuben-Parade in New York. Eigens für die Teilnehmer der Parade wurde eine eineinhalbstündige Sendung angesetzt, bei der ich 20 Minuten lang meine eigenen und Ostermann-Lieder sang.

Wie war das Verhältnis zu Ihren Kollegen, damals und heute?

Karl Berbuer war ein väterlicher Freund für mich, zu ihm hatte ich die stärksten freundschaftlichen Kontakte. Zu allen anderen Kollegen hatte ich immer ein sehr kollegiales Verhältnis. Mit den Bläck Fööss, den Höhnern, Brings bin ich befreundet, zu King Size Dick und Marie-Luise Nikuta unterhalte ich sehr gute Kontakte.

Sie waren der erste Kölner Karnevalist mit einem eigenen Fanclub. Existiert der heute noch? Welche Aktivitäten sind angesagt?

Mein Fanclub wurde 1977 im Kölner (Ehrenfelder) Kolpinghaus gegründet. Nach einem Auftritt kamen Mitglieder eines Kegelclubs auf die Bühne und fragten, ob ich damit einverstanden wäre. Ich hatte keine Bedenken.

Zu meiner großen Freude erklärten sich die Mitglieder bereit mich bei meinem sozialen Engagement zu unterstützen. Dazu gehören in erster Linie Veranstaltungen im Senioren- und Behindertenwohnheim in Köln-Mülheim. Dafür backen wir Kuchen (letztens noch erst 62!), bringen Getränke mit, servieren und machen ein kostenloses Programm. Das schließt ein Frühlingsfest, eine Adventsfeier mit ein oder auch eine Karnevalssitzung.
In bezug auf Benefizveranstaltungen bin ich, obwohl ich mich größtenteils von der Bühne zurückgezogen habe, noch stark gefragt, bspw. beim zehnjährigen Bestehen des Caritas-Seniorenheims St. Maternus in Rodenkirchen.

Nicht nur das, in Erftstadt gibt es auch ein Ludwig Sebus Museum. Wie kam es dazu? Wer hat es eröffnet? Wer leitet es? Was gibt es da zu bewundern?

Von der KG Klüttefunke Erftstadt-Liblar e.V. bin ich ausgezeichnet worden. In diesem Zusammenhang kamen die Mitglieder auf die Idee Gegenstände aus meiner Karriere in einem eigenen Museum aufzubewahren. Es geht darum diese, auch für die Nachwelt, zu erhalten. Das Museum befindet sich in Erftstadt-Liblar und ist nach Vereinbarung geöffnet.

Und zum Schluß: Eigentlich sind Sie vor einigen Jahren zurückgetreten. Doch was und wer holt Sie auch heute noch auf die Bühne? Wo können Sie nicht widerstehen aufzutreten?

Spontan sage ich immer dann zu, wenn ich merke, daß mir Herzlichkeit entgegengebracht wird. Die möchte ich dann erwidern. Wenn ich merke, daß ich jemandem eine richtige Freunde machen kann. „Wer glücklich sein will, muß andere glücklich machen“, das ist mein Lebensmotto.

Ludwig Sebus, besten Dank für dieses Interview.

erscheint im Sessionsheft der Session 2009 der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.

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Martin Jansen

Interview mit dem 1. Vorsitzenden der Gesellschaft Einigkeit in Bergheim, Martin Jansen

Herr Jansen, die Gesellschaft wurde 1954 gegründet. Was sind für Sie persönlich die Höhepunkte in 50 Jahren Vereinsgeschichte?

In den 50 Jahren gab es sicher eine Reihe von Höhepunkten. In den Anfangsjahren die vielen Theaterveranstaltungen, wie mit Willi Millowitsch, oder den Konzerten mit den Wiener Sängerknaben und den Shows mit Lou van Burg, Rudi Carell und Heinz Schenk. Ganz sicher gehörten die Reiterbälle dazu, die viele Stars nach Bergheim lockten. Sogar der damalige Bundespräsident Walter Scheel gehörte dazu. Kirmes oder Oktoberfest wurden groß gefeiert, mit einer Original Bayrischern Kapelle. Für das leibliche Wohl sorgten wir mit unserer eigenen Küche. Vergessen möchte ich auch nicht die vielen tollen Karnevalssitzungen nicht.

Und welche Tiefpunkte mußte der Verein in dieser Zeit erleben?

In jedem Verein gibt es Höhen und Tiefen. Einen Tiefpunkt gab es Ende der 80ziger, wo der Verein fast vor dem Aus stand. Hier halfen eine Reihe von Freunden und Gönnern aus den Reihen der Senatoren finanziell, den Verein wieder auf eine gesunde Basis zu stellen. Nicht zu vergessen die vielen helfenden Hände der Vorstandsmitglieder bei den vielen Veranstaltungen führten mit zu der Gesundung der Gesellschaft.

Könnten Sie kurz skizzieren, was die „Einigkeit“ ausmacht, was Sie persönlich mit diesem Verein in Verbindung bringen?

Als junger Mensch wurde ich Mitglied in diesem Verein, einfach, weil Sie in Bergheim auch viel für die Jugend veranstaltete, Denke ich an die vielen Beatbälle mit vielen tollen Bands, wie die „Sykriders“, den „Mothleys“ um nur einige zu nennen, so komme ich heute noch ins Schwärmen. Hinzu kamen die durchgeführten Familienabende der „Einigkeit“. Auf einem dieser Familienabende lernte ich meine Ehefrau kennen.

Daß mein Vater Mitgründer der Gesellschaft war, ist sicherlich auch ein Grund dafür gewesen, sich für den Verein einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Das Ziel bleibt nach wie vor den Leuten Freude zu bereiten durch eine Vielzahl von Veranstaltungen und wie es im Untertitel heißt – Verein zu Förderung vaterstädtischer Feste -.

Einen Teil der „Einigkeit“ macht die Karnevalsgesellschaft aus, die in jedem Jahr eine Fete an Weiberfastnacht sowie eine Kostüm- und Prunksitzung organisiert. Auf welche Höhepunkte können sich die Gäste in dieser Session freuen?

Seit einigen Jahren veranstalten wir an den Karnevalstagen mehrere Veranstaltungen, wie Weiberfastnacht und seit drei Jahren „Viva Colonia“ am Samstag mit großem Erfolg. In diesem Jahr u. a. mit dabei, die Boore mit Ihrem Hit – Rut sind de Ruuse…..-, aus Berhgeim „5010“ u.v.m. ….

Erstmals im neuen Medio unsere „Große Kostümsitzung“, die wegen der Kürze der Session bereits am 07. Januar 2005 stattfindet. Bekannte Kräfte aus dem rheinischen Fasteleer, u.a. Die Kolibris, Die 3 Colonias, Et Botterblömche, Colörs, die Tanzgruppe Winzer und Winzerinnen, die Ratsherren Unkel u.v.m konnten verpflichtet werden.

Wie sehen Sie persönlich den Umzug ins neu errichtete Medio.Rhein.Erft, in dem auch die Jubiläumsveranstaltung und der Festkommers stattfanden?

Dem Umzug in das neue Medio stehe ich eigentlich recht positiv gegenüber, zumindest was die Karnevalssitzung angeht. Die große Bühne ist sicherlich für das Publikum besser als im Zelt, wie es ja bei unserer Jubiläumsgala schon der Fall war. Was mir Sorge bereitet, sind die hohen Kosten für eine solche Veranstaltung im Medio. Da sehe ich ein großes Problem auf uns zukommen. Hier muss sicherlich noch eine verträgliche Regelung für alle Seiten gefunden werden.

Was bringt die Zukunft?

Was bringt die Zukunft? Eine Tatsache ist, dass wir auch weiterhin mit unseren Veranstaltungen dazu beitragen wollen, den Bürgern unserer Stadt weiterhin Freude zu bereiten.

Besten Dank für das Interview.

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Wicky Junggeburth

Interview mit Wicky Junggeburth

Herr Junggeburth, nachdem ich Sie gerade wieder einmal auf der Bühne erleben konnte, habe ich das Gefühl, daß es Ihnen sehr großen Spaß macht dort zu stehen. Ist das mit ein Geheimnis Ihres Erfolges?

Das weiß ich nicht. Ich mache das, was ich immer gerne gemacht habe – Karneval gefeiert. Allerdings bin ich erst 1990 in eine Karnevalsgesellschaft eingetreten – in die Nippeser Bürgerwehr, in der ich heute noch Mitglied bin.

Hätte ich einen Freund gehabt, der in einem Verein gewesen wäre, wäre ich schon früher mit fliegenden Fahnen in eine Gesellschaft eingetreten, weil ich schon immer am Karneval gehangen habe. Das war für mich immer ein wahnsinniges Ventil in den letzten 40 Jahren.

Auch wenn es mal nicht so gut ging, der Karneval war für mich etwas, wo ich mich immer wieder dran hochziehen konnte. Das ist so geblieben bis zum heutigen Tag. Und heute kann ich einiges wieder zurückgeben von dem was ich fühle und ich erlebe dann in den Sälen, daß eigenartigerweise ein Großteil der Leute, die da sitzen, es genau so empfinden wie ich.

1993 waren Sie Prinz im Kölner Dreigestirn. Wie kam es dazu?

Als ich 1991 erstmals den Präsidenten der Nippeser Bürgerwehr kennengelernt habe, habe ich ihm gesagt, daß ich gerne den Prinzen machen würde, falls die Gesellschaft einmal die Möglichkeit hätte, ein Dreigestirn zu stellen. Er sagte, daß er es registriert hätte, ich mir aber nicht zuviel Hoffnungen machen sollte.

Nur ein Jahr später wurde dann tatsächlich bei der Bürgerwehr angefragt, ob sie nicht zu ihrem 90jährigen Jubiläum 1993 ein Dreigestirn stellen wollten. Der Präsident erinnerte sich an unser Gespräch, ihm fiel ein, daß er bereits einen Prinzen hatte, einen Bauern ebenso und eine Jungfrau innerhalb von zehn Minuten finden würde. So wurde ich Prinz im Kölner Karneval.

Bei Ihnen hat man immer besonders das Gefühl, daß das Publikum Ihnen sehr am Herzen liegt. Ist das so?

Das Publikum ist der Souverän im Saal. Ich sage immer, das ist ein Geben und Nehmen. Wenn man dem Publikum das gibt, was man ehrlich empfindet und das auch noch humorvoll verpacken kann, dann kann auch einmal ein Fehler dabei sein und vielleicht ein falsches Wort, das wird dann akzeptiert. Was nicht akzeptiert wird ist Arroganz und Überheblichkeit und ich bilde mir ein, daß ich damit überhaupt nichts zu tun habe.

Sind Sie auch nach so langen Jahren Bühnenerfahrung immer noch nervös bezüglich der Reaktion des Publikums, ob und wie gut Sie ankommen?

100 Prozent. Wenn das nicht so wäre, dann wäre es auch kein Auftritt mehr. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Seniorenheim mit 50 Personen oder das Sartory mit 1400 Personen handelt. Eine gewisse Nervosität oder Bauchgrimmeln, wie ich es nenne, muß sein. Die Ehrfurcht vor dem Publikum ist ja auch da, damit alle Antennen hochgehen, um eine Sensibilität zu entwickeln, denn jedes reagiert anders.

Es kann durchaus sein, daß man nach einer Pause in eine Sitzung kommt, in einen relativ kalten Saal. Man kommt als erste Nummer auf die Bühne und denkt, daß das als Eisbrecher schwierig werden könnte und das Publikum empfängt einen großartig.

Und genau diese Sensibilität muß man sich erhalten. Wenn man auf der Bühne steht, dann sieht man schon was los ist, ist Stimmung da, ja, nein, sind fröhliche Gesichter vorhanden. Manchmal hat man auch das Gefühl, als wäre jemand verstorben. Das merkt man in den ersten Sekunden auf der Bühne.

Bei welchen Veranstaltungen treten Sie am liebsten auf?

Das sind die Veranstaltungen, bei denen es kein Geld gibt. Nennen wir einmal die Seniorensitzungen oder Seniorennachmittage. Ich trete häufig hier in Köln in Altenheimen auf, im Deutsch-Orden oder im Herz-Jesu-Heim.

Das macht eine solche Freude, weil die Leutchen, die dort sitzen, den alten Karneval aus den 50iger Jahren noch kennen. Wenn man davon erzählt, dann sieht man in solch glänzende Augen, das sind besonders schöne Erlebnisse.

Es gibt allerdings auch Sitzungen, die etwas ganz besonderes sind, ich denke da an Rocholomäus, die berühmte Fallsitzung im Sartory von St. Rochus und St. Bartholomäus, deshalb Rocholomäus, die von der ersten bis zur letzten Minute eine Stimmung hat, die ist ganz, ganz gewaltig oder aber allgemein die Pfarrsitzungen, wo ich sehr, sehr gerne hingehe.

Wie viele Auftritte machen Sie in der Karnevalssession durchschnittlich am Tag?

Das kann man pauschal nicht sagen. Montag ist normalerweise frei, damit man die Stimme vom Wochenende wieder schonen kann. Das muß auch so sein. Ansonsten ist es unterschiedlich, zwischen zwei und sechs.

Was verstehen Sie persönlich unter dem Begriff Karneval? Was ist für Sie richtiger Karneval?

Karneval ist die Freude, die der normale Mensch auf der Straße empfindet. Und hier verbinde ich das in erster Linie mit dem Kölner, denn ich bin nach wie vor der Überzeugung, Fastelovend wird nur in Köln richtig gefeiert.

Es ist eben eine ganz besondere Situation, wenn man das am 11.11. auf dem Alter Markt sieht, wenn dort, ich nennen sie einmal so, die Hartliner hinkommen, die sich morgens um 7 Uhr das Kostüm anziehen und dann mit in der Straßenbahn, mit im Bus, mit dem andere Leute zur Arbeit fahren, sitzen. Die werden auch hier in Köln noch angeschaut wie das dritte Weltwunder, aber die empfinden solch eine Freude am Verkleiden, am Spaß, an der Freude, da ist etwas, das aus dem Volke kommt.

Der Karneval, das ist ganz, ganz wichtig hier beim Kölner, geht vom Volke aus. Deshalb wird es auch in Krisenzeiten immer wieder eine Bewegung von unten geben. Genau das habe ich auch in den 50iger, 60iger Jahren empfunden, als es mir finanziell nicht so besonders ging, da war der Karneval dieses Ventil.

Das sieht man im Moment wieder ganz stark, wo die wirtschaftlichen Zeiten lange nicht mehr so rosig und die Sitzungen zum Teil nicht mehr so voll sind, aber der Straßenkarneval angenommen wird wie nie zuvor. Auf dem Alter Markt bzw. auf dem Heumarkt waren in diesem Jahr 30.000 Zuschauer, das ist noch nie dagewesen. Man muß sich vorstellen, daß diese Veranstaltung vor 15 Jahren auf dem Ostermann-Plätzchen stattfand mit 400, 500 Leuten. Dann sind es etwas mehr geworden und man ist auf den Alter Markt umgezogen und jetzt auf den Heumarkt. Und wenn da noch mehr Platz fänden, kämen auch noch mehr. Das zeugt ganz klar davon, daß die Leute eine Sehnsucht danach haben sich einmal nicht so geben zu müssen wie sie sich im Alltag geben müssen, einfach jeck zu sein, wie man das im landläufigen aber positiven Sinn in Köln sagen würde. Das kann man in dieser Form, davon bin ich fest überzeugt, nur in Köln, das wird es nicht in Düsseldorf, in München, in Stuttgart, in Hamburg oder Berlin geben. Dafür muß man nach Köln kommen.
Auf Ihrer Website habe ich gelesen, daß Ihnen Couplets und Parodien aus der Nachkriegszeit sowie Nostalgiesitzungen sehr am Herzen liegen. Wie kommt es dazu?

Da mein Vater schon in den 50iger Jahren ein Radiogeschäft hatte, hat er schon frühzeitig Sitzungen aufgenommen. Als Kind habe ich diese anstelle von Märchenplatten abgehört. Mein Vater hat mir gezeigt wie das Tonbandgerät funktioniert und wie ich es bedienen kann und wenn andere über Märchenplatten oder Kinderbüchern gesessen haben, habe ich mir Karnevalssitzungen angehört.

Es gibt dort Reden und vor allen Dingen die Couplets von den „Zwei Drügen“ oder den „Zwei Holzköpfen“, die mir sehr am Herzen liegen. Die sind teilweise 45, 50 Jahre alt und man kann heute noch darüber lachen. Nicht lächeln, sondern herzhaft lachen.

Oft kann man über Witze, die vier, fünf Jahre alt sind, nicht mehr lachen. Aber diese Art von Vorträgen, dieser verrückte Kölner Humor, der keinem wehtut und trotzdem Bilder im Kopf entstehen läßt, die einfach verrückt sind, da kann man sich heute noch drüber amüsieren.

Diese Qualität, die so selten ist, hatte man, im Grunde genommen, für diesen musikalischen Vortrag, fast ausschließlich in den 50iger, 60iger Jahren. Das hat sich bis heute gehalten. Bis zum heutigen Tage sagen die Leute, daß sie sich darüber immer noch amüsieren können. Wenn es über Schadenfreude geht, dieses Lied „Et deed uns leed, ävver mir hatten Freud“, das ist etwas, was den Leuten aus den Herzen spricht und was leider Gottes verloren gegangen ist.

Gibt es Kollegen mit denen Sie einmal besonders gerne zusammen auf der Bühne stehen würden?

Diese Wünsche habe ich mir erfüllt. Das war in erster Linie im letzten Jahr mit den Bläck Fööss. Das war ein Erlebnis, das kann ich gar nicht beschreiben – unglaublich. 2000 Zuschauer und dann mit dieser Truppe, mit der ich groß geworden bin. Die sind 1970 gegründet worden, da war ich 19 Jahre alt. Und dann irgendwann einmal gemeinsam mit denen auf einer Bühne zu stehen und die Leute zum Lachen, den ganzen Saal zum Schreien zu bringen, das ist das Allergrößte.

Oder aber mit „De Doof Nuss“, mit Hans Hachenberg auf der Bühne zu stehen, das habe ich auch einmal geschafft. Oder mit dem leider vor vier Jahren verstorbenen Jupp Kürsch von den Gebrüdern Kürsch.

Das waren so die einschneidenden Erlebnisse und, das ist ganz wichtig, mein erster Bühnenauftritt fand mit den 3 Colonias statt. Da habe ich 1994 eine Woche lang den Oli vertreten, weil er krank war. Das war für mich die Initialzündung auf die Bühne zu gehen, aber nicht in einer Gruppe, ich wollte es alleine machen.

Wie sieht Ihr persönlicher Ausgleich zu den doch sicherlich oftmals stressigen Karnevalsauftritten aus?

Wir wohnen seit 25 Jahren hinter Rösrath mitten im Wald, ganz ruhig, für einen Kölner fast schon zu ruhig. Aber das ist genau das, was wir brauchen. Wir gehen fast jeden Tag, zumindest fünfmal die Woche, stramm spazieren, das ist der Ausgleich, den ich brauche.

Nach den Auftritten bin ich nicht mehr in der Lage irgendwo in eine Wirtschaft zu gehen und dort ein Bier zu trinken. Einmal nicht wegen der Stimme und außerdem würde es mich zu sehr aufreiben. Ich brauche Ruhe und zu Hause noch eine Stunde lesen oder den Fernseher einschaltn, langsam runterkommen. Dann morgens ein bißchen länger schlafen,
um nachmittags wieder fit zu sein und auch kein Telefon zu hören.

Welche Hobbys haben Sie?

Mein Hobby ist der alte Karneval. Mittlerweile habe ich das so perfektioniert, daß ich die Tonbänder und Kassetten mit den Sitzungsmitschnitten, das sind insgesamt 800 Stunden, auf den Computer aufgenommen und entsprechend bearbeitet habe. Ich kann heute jede Rede, die vor den 80iger Jahren gehalten wurde, per Knopfdruck innerhalb von 30 Sekunden abspielen lassen. Sagen wir mal Schmitze Grön oder De Doof Nuss oder Karl Küpper von Anfang der fünfziger Jahre, die habe ich alle auf Tonband und kann sie per Knopfdruck abhören. Das ist für mich ein Riesenhobby.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche dem Karneval die Kraft, daß er sich immer wieder erneuert, egal wer da oben an der Spitze steht.

Was sind Ihre Pläne?

Zunächst den Rosenmontagszug 2005 zu kommentieren. Das mache ich zusammen mit Udo Eichel bereits seit vier Jahren mit großem Erfolg und die Resonanz der Zuhörerschaft darauf ist ganz enorm.

Dann werde ich 2005 die WDR-Arkaden moderieren, an Weiberfastnacht zwischen 15.00 Uhr und 20.00 Uhr, gemeinsam mit Marita Köllner.

Außerdem gibt es noch die Radiosendung „Jeden Mittwoch bis Äschermittwoch“ auf WDR 4, erstmalig am 13.01.05 von 15.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Da stelle ich dann alte und neue Karnevalslieder vor und grabe natürlich auch immer im Archiv oder bringe etwas aus meinem eigenen mit. Radio ist etwas wunderschönes.

Besten Dank für dieses Interview!


Persönliches:

Früherer Beruf?

Bankkaufmann

Wenn Sie auf eine einsame Insel gehen würden und drei Dinge mitnehmen dürften. Welche?

Ein Radiogerät, ein ganz, ganz dickes Buch über den Kölner Karneval und die Familie

Sie haben drei Wünsche frei. Welche?

Gesundheit, das steht ganz oben, mehr Zufriedenheit in Deutschland und mehr Gelassenheit der Menschen. Ich schließe mich da ein, ich könnte auch eine gute Portion mehr gebrauchen. Jeden Tag wünsche ich mir, ich bekäme so ein bißchen was vom Elefanten, das dickere Fell. Ich kämpfe jeden Tag darum, ob ich es eines Tages schaffe, weiß ich nicht.

Wenn Sie eine Entscheidung in Ihrem Leben rückgängig machen könnten. Welche wäre das?

Es gibt keine.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?


Der Tag an dem man nicht gelacht hat, ist ein verlorener Tag.

Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor?

Da könnte ich mir gut vorstellen ein Viertel des Jahres in Frankreich zu verbringen und zwar in Südfrankreich. Drei Viertel des Jahr würde ich gerne in Köln verbringen und dann noch hin und wieder einen Rosenstrauß zu picken, wo ich im Karneval tätig werden kann. Ganz aufhören könnte ich nie. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Wo möchten Sie gerne leben?

Wo wir jetzt wohnen in Köln oder der näheren Umgebung, was anderes käme für mich gar nicht in Frage.

Was würden Sie noch gerne erlernen?


Perfekt französisch zu sprechen.

Mit welcher bekannten Persönlichkeit möchten Sie gerne tauschen?

Mit keiner.

Ihre Lieblingsfarbe?

Blau.

Ihre Lieblingsblume?

Die Rose.

Was treibt Sie zur Verzweiflung?

In Köln sagt man „Schmierwürsch“, Schmierwürste, d.h. Leute, die unehrlich sind, freundlich von vorne und einem von hinten das Messer in den Rücken werfen, das ist für mich das Allerschlimmste. Und da gibt es so viele von und es werden jeden Tag mehr, eigenartigerweise.

Worüber können Sie sich besonders freuen?

Über einen Riesenauftritt, wo man rausgeht und nachher sagt, das war es einfach, das war einfach schön. Da kann ich mich riesig drüber freuen.

In welchem Jahrhundert würden Sie am liebsten leben und warum?

In der Gegenwart, gar keine Frage. Denn die Unzulänglichkeiten, die die letzten Jahrtausende mitgebracht haben, die möchte ich nicht miterleben. Ich bin mit der Gegenwart sehr zufrieden.

Was möchten Sie Ihren Lesern mit auf den Weg geben?

Es soll sich keiner einen Deu antun, wie man in Köln sagt. Natürlichkeit ist immer ganz wichtig. Man braucht nicht überall gut gelitten zu sein, das wird man ohnehin nicht erreichen können. Wenn die Ehrlichkeit aus einem herausströmt, dann wird man bei den wichtigen Leuten akzeptiert und bei den Leuten, die die Ehrlichkeit nicht ertragen können – die sind auch nicht wichtig. Für mich ist es am allerwichtigsten Natürlichkeit und seinen persönlichen Charakter zu bewahren, mal den Mund aufzumachen, auch wenn es unbequem ist. Da halte ich mich sehr eng dran. Man wird mich also nie verbiegen können, wenn ich etwas zu sagen habe, dann sage ich es auch. Ich habe schon öfter Nachteile dadurch erfahren, aber das spielt keine Rolle, man sollte die Ehrlichkeit zu sich haben und auf gar keinen Fall mit dem Wind drehen, das geht nicht gut, so oft läßt sich gar nicht drehen, das ist unmöglich.

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Hans Hachenberg

Geboren am 11.7.1925, gestorben 12.7.2013

Ehrungen:

Ehrenbürger der Stadt Bergisch-Gladbach
„Willy-Millowitsch-Medaille“
„Goldene Mütze“ der Karnevalsgesellschaft „Alt-Köllen vun 1883 e.V.“
Ehrenkreuz in Gold mit Brillianten der Ehrengarde der Stadt Köln e.V. 1902
Goldene/Lachende Maske vom Stammtisch Kölner Karnevalisten
Verdienstorden in Gold mit Brillianten vom Bund Deutscher Karneval e.V.
Verdienstorden in Gold vom Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e.V.
Rheinlandorden „Das Goldene Herz“
Närrischer Bergischer Orden vom KCK Kürten

Herr Hachenberg, Sie sind bekannt als „Doof Noss“ im Kölner Karneval. Wo sind Ihre Anfänge im Karneval zu suchen? Wie kam es zu Ihrem ersten Auftritt?

1946 hier in Bergisch-Gladbach. Ich war Mitglied im Gesangsverein und wir wollten ein schönes Fest veranstalten. Da kam die Frage auf, ob jemand etwas vortragen könnte. Dann bin ich mit einem Kollegen als „Lehrer und Schüler“ aufgetreten. Das kam sehr gut an und ich habe Lust bekommen. Mein Kollege und ich sind dann drei Jahre zusammen aufgetreten, dann konnte er nicht mehr weitermachen. Ich wollte jedoch nicht aufhören – das war 1948, seitdem bin ich die „Doof Noss“.

Wie kamen Sie ausgerechnet zu diesem Namen?

In der Zeit mit meinem Kollegen gab es schon ein Jahr, in dem wir nicht als „Lehrer und Schüler“ auftraten, sondern als „Zwei Doofe“. Das war schon die richtige Rolle für mich. Die Leute sagten immer, ich könne mich so herrlich doof stellen. Dann habe ich mir gedacht, daß ich diese Type beibehalten will. Man sagte doch früher zu einem, der etwas nicht kapierte: „Mensch, was bist du für’n „Doof Noss“.

All die Jahre habe ich nicht nur meine Type beibehalten, sondern auch die Themen in meinen Reden. Es ging nur um die Familie und sonst nichts – keine Politik, keine Böswilligkeiten anderen gegenüber. Es ging um Mama, Papa, Oma, Opa und die Geschwister, die ich teilweise gar nicht hatte. Ich hatte nur einen Bruder. Doch große Erfolge hatte ich auch mit Ludmilla, meiner Schwester. Darüber haben die Bläck Fööss sogar ein Lied gemacht, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Ließen sich die Auftritte mühelos mit Ihrem Beruf vereinbaren?

Ich war als Techniker in Köln-Dellbrück beschäftigt. Tagsüber ging ich arbeiten. Wenn ich in der Karnevalszeit Feierabend hatte, die Veranstaltungen waren ja meistens abends, zog ich mich um und ging danach auf Achse. Als später die Hausfrauennachmittage und Damensitzungen kamen, vereinbarte ich mit meinem Chef, wann ich die Zeiten nacharbeiten würde. Damit war der Fall erledigt.

Gab es damals in dem Sinne schon Gage für die Auftritte?

In der Zeit nach dem Krieg, die sehr schlecht war, gab es Naturalien – einen Korb voll Kappes (Weißkohl), einen halben Sack Kartoffeln oder Briketts. Dann hat es bei mir angefangen mit 5 Mark, Reichsmark, später kam die DM, jetzt der Euro.

Wie lange dauerten die Auftritte damals?

Zehn Minuten bis eine Viertel Stunde. Es gab auch schon Auftritte, die 20 Minuten dauerten. Das kommt auf den Erfolg an, den man hat.

Haben Sie Ihre Vorträge selbst erarbeitet?

Ja, komplett. Es kamen aber auch genügend Leute zu mir, die sagten, daß sie etwas schönes für mich hätten. Wenn es wirklich paßte, habe ich es mir aufgeschrieben. Von Treffen mit Kollegen oder Freunden kam ich immer mit Bierdeckeln nach Hause, auf denen ich etwas notiert hatte. Da war auch mancher dabei, wo ich nicht mehr wußte, was es heißen sollte. Aber das, was ich gebrauchen konnte, habe ich mir gleich ausführlich notiert und nach einem Tag noch einmal gelesen. Das soll man ja so machen und so war es auch bei meiner jeweiligen Rede.

Meine Frau kommt nicht aus Köln, sondern aus Mülheim an der Ruhr, die hat mir immer gesagt, wenn ich etwas nicht bringen kann, wenn etwas nicht ankommt oder genau so, wenn etwas gut ist. Dann wurde es verarbeitet. Ihr habe ich viel zu verdanken.

Manchmal kam auch beispielsweise Harry Fey mit Sachen, die er selbst nicht verwenden konnte und fragte mich, ob ich sie haben wollte. Wir waren sehr gute Freunde, der Harry und ich.

Gab und gibt es für Sie Themen in Ihren Vorträgen, die tabu waren?

Politik sowieso und – das sagt man mir heute noch nach, anstößige Sachen, früher sagte man ja Zoten dazu. Die kamen für mich nicht in Frage. Ich weiß nicht warum, vielleicht aus der Erziehung heraus. Heute noch werde ich als der „Mann ohne Zoten“ vorgestellt.

Wenn ich heute auf eine Sitzung eingeladen werde und von einem Redner wird ein richtig scharfes Ding losgelassen, dann schauen mich die Leute an, was ich mache, gerade so, als ob ich ein Maßstab wäre. Und wenn die meinen Maßstab kennen, wissen sie, daß ich mit dem Kopf schüttele. Das ist nicht mein Ding. Wenn ich damit all die Jahre meine Zuhörer erfreut hätte, wäre ich heute nicht so geachtet.

Was bedeutet für Sie persönlich Karneval? Welchen Gedanken verbinden Sie mit dem Begriff Karneval?

Heute nehme ich an vielen Einladungen teil. Einmal weil ich noch gerne dabei bin, aber auch um meine alten Kollegen zu sehen und zu hören und mit ihnen zu plaudern.

Damals nahm ich teil, weil ich selbst mit Leib und Seele Karnevalist war und auch sehr bekannt. Ich fieberte jeder Session neu entgegen. Später habe ich jedoch gemerkt, je älter ich wurde, desto aufgeregter und unruhiger wurde ich, wenn Karneval begann, weil einfach zuviel verlangt wurde.

Man verglich uns Amateure viel mit den Fernsehstars, die sehr viel Geld pro Auftritt verdienten. Wenn man zum Stammtisch ging, wurde man gefragt, ob man nicht die oder jene Sitzung gesehen hätte, die wäre Klasse. Man selbst bekam unter Umständen zu hören, das wäre aber diesmal nicht viel. Wenn man sehr gut war, dann mußte man das nächste Jahr mindestens so gut sein und durfte nicht etwa absinken.

Wie viele Auftritte haben Sie früher immer gemacht?

In der Woche war früher wenig los. Das hat sich erst in den letzten 20, 30 Jahren so ergeben. Es ging um freitags, samstags, sonntags.

Ich schätze, ich habe im Schnitt 100 Sitzungen mitgemacht. Man kann ja nicht mehr Auftritte machen, als der Körper einem hergibt.

Bis zu welchem Alter sind Sie regelmäßig aufgetreten?

1989 hatte ich eine Operation am offenen Herzen, bei dem mir Bypässe gelegt wurden. Da bin ich in dem Jahr und in dem darauffolgenden nicht aufgetreten. Dann aber kamen so viele Leute zu mir, die fragten, ob es nicht doch wieder ginge, daß ich noch einmal angefangen habe, so 1992. Das ging so gut und die Sachen kamen so toll an, daß ich erst 2002 endgültig aufgehört habe.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen dem Karneval damals und heute?

Ein grundlegender Unterschied ist, daß damals in den Sitzungen Minimum sechs, vielleicht auch acht Redner waren und zwei Musikgruppen. Darunter waren auch Krätzjes-Sänger oder Duette. Heute treten ein oder zwei Redner auf und sonst gibt es nur Musik.

Ich spreche mit vielen Leuten. Die sind davon gar nicht begeistert, wenn die riesigen Anlagen aufgebaut werden. Früher hat man doch auch so gesungen, aber heute läuft nichts mehr ohne Verstärker.

Die älteren Leute hätten gerne noch einmal die Sitzungen von früher. Dazu kommt natürlich noch, daß viele Vorträge gar nichts mit Karneval zu tun haben.

Was kann Sie heute noch dazu bewegen im Karneval aufzutreten? Was reizt Sie von Zeit zu Zeit doch noch einmal auf die Bühne zu gehen?

Nur die Bitten von wirklich guten Freunden, die irgend etwas besonderes vorhaben. So war es ja auch bei den Grielächern in der letzten Session, die wollten noch einmal einen Redner von früher sehen.

Heute ist doch ein ganz anderes, viel jüngeres Publikum. Es ging darum einen Redner zu kredenzen, den die meisten nur noch dem Namen nach kannten oder aus dem Fernsehen. Nachher sind viele Leute zu mir gekommen oder haben mir geschrieben. Das hatten sie noch nicht gesehen oder erwartet. Das wäre etwas, wo ich sagen würde, ja, das mache ich. Aber sonst…

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie heute noch auftreten und mit stehenden Ovationen belohnt werden?

Das läuft mir kalt den Rücken runter. Das ist ein tolles Gefühl. Da komme ich nach Hause und sage zu meiner Frau, daß es toll gewesen wäre, wenn sie das miterlebt hätte. In dieser Session waren das ein paar Auftritte, bei den Grielächern im Maritim, zweimal im Sartory, bei Rocholomäus, dem Hänneschen-Theater und in der Philharmonie, wo die Leute wirklich auf den Stühlen gestanden haben und mir da oben ein leichtes Tränchen in die Augen kletterte. Das geht einem doch sehr nahe.

Gibt es schon konkrete Pläne, wann man Sie wieder auf der Bühne bewundern darf?

Nein, die gibt es nicht. Ich sage jedem, der mich anruft, daß er es kurz vor Beginn der neuen Session noch einmal versuchen soll, dann weiß ich mehr. Das kann ich jetzt noch nicht abschätzen und es kommt auch darauf an, wie ich mich fühle.

Danke für dieses Interview!

erschienen im Sessionsheft der Session 2006 der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V., Seiten 126 bis 131

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+++ Kölsche Figaros übernehmen Tierpatenschaft im Kölner Zoo

Corona hinterlässt nicht nur beim Menschen, sondern auch bei den Tieren seine Spuren. Aufgrund der Pandemie sind auch die Zoos geschlossen. D.h. keine Besucher, keine Einnahmen, kein Futter für die Tiere. Deshalb hat der Vorstand der K.G. Kölsche Figaros e.V. von 1950 beschlossen, eine Tierpatenschaft im Kölner Zoo zu übernehmen. Wir haben uns dabei ganz bewusst für ein Pfauen-Paar entschieden.

Warum?

1. unsere Branche: Friseure – stehen für Schönheit

2. im Karneval ist die Pfauenfeder ein beliebtes Accessoire und

3. unsere Vereinsfarben sind Blau-Gold.

Sobald der Zoo wieder geöffnet hat, werden wir unsere „Patentiere“ besuchen.

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+++ Personelles – Nachwahlen bei den Figaros

Durch den Rücktritt unseres Senatspräsidenten Detlev Schädel nach 10jähriger engagierter Tätigkeit – für die wir uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen bedanken – wurden Nachwahlen für den Vorstand erforderlich.

Zu seinem Nachfolger als Senatspräsident wurde Jürgen Freudenstein, bisheriger 2. Vorsitzender gewählt. Er ist seit 2005 als Senator und aktives Mitglied bei den Figaros und über 40 Jahren im und für das Friseurhandwerk als Marketingberater, Autor und Eventexperte unterwegs. Die Pressearbeit für die Figaros bleibt weiterhin in seiner Verantwortung.

Als neuer 2. Vorsitzender rückt Daniel Kriegisch – der Barde der Figaros – in den Vorstand auf.

Weiterhin wurden gewählt: Fabian Hänsel als Beisitzer und für seine o.g. Verdienste Detlev Schädel zum Ehrensenatspräsidenten.

Wir gratulieren allen Gewählten und wünschen ihnen für ihre Tätigkeit viel Erfolg

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+++ „Nur zesamme sin mer Fastelovend“

heißt das aktuelle Motto der kommenden Session. Die bunte Vielfalt des Festes ist ein Angebot an alle Jecken, gemeinsam den Fastelovend zu fiere. Im Fasteleer hat jeder Jeck seinen Platz. Karneval ist bunt und offen und für Jedermann. Er grenzt nicht aus, sondern verbindet Menschen.

Wenn da nicht die Sache mit „Corona“ wäre. Wie und unter welchen Bedingungen wir in diesen ungewöhnlichen Zeiten unser schönes Brauchtumsfest feiern werden, lässt sich aber heute, rund 6 Monate vor Karneval, noch nicht absehen.

Eines ist aber klar – die Karnevals-Session 2020/21 findet auf jeden Fall statt.

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+++ Jahreshauptversammlung der Kölsche Figaros

Trotz Pandemie und unter Beachtung aller Hygienevorschriften verlief die diesjährige Jahreshauptversammlung (JHV) am 24. Juni 2020 der Kölsche Figaros daher in Hochstimmung, waren die Figaros doch schon seit 1993 dem Festkomitee als hospitierendes Mitglied angeschlossen und wurden jetzt „geadelt“.

Das brachte auch Eckart Seeger in seinem Jahresbericht zum Ausdruck. Wie immer folgten dann die Berichte zur finanziellen Situation des Vereins und seiner Mitglieder durch Mike Engels (Schriftführer) in Vertretung für Harald Esser. Insgesamt blickt der Verein auf eine erfolgreiche Session 2019/2020 zurück.

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